Was ist ein Aufhebungsvertrag?

Der Aufhebungsvertrag ist sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber eine außergerichtliche Einigung zur vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnis mit möglicher Abfindung, Verbleib von Resturlaub und andere Dinge.

Wer selbst seinen Job kündigen möchte, um sich neu zu finden oder neue berufliche Wege einzuschlagen, muss für gewöhnlich bestimmte Regeln und Fristen einhalten. Möchte jedoch das Unternehmen in kurzer Zeit Personal abbauen, verwirkt eine vorzeitige Kündigung (betriebsbedingte Kündigung) die Möglichkeit auf eine satte Abfindung. Anders sieht dies bei einem Aufhebungsvertrag aus, der von beiden Parteien, also dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber ausgearbeitet wird. Eine gemeinschaftliche Einigung hat in der Regel einen wechselseitigen Nutzen und verhindert einen unschönen Rechtsstreit.

Was ist ein Aufhebungsvertrag?
Was ist ein Aufhebungsvertrag?

Was genau ist ein Aufhebungsvertrag?

Bei einer beidseitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses kann eine einvernehmliche Einigung erzielt werden. Diese erleichtert einem den schnellen Einstieg in einen neuen Job und hilft dem aktuellen Arbeitgeber langwierige Kündigungsprozesse zu vermeiden. Eine Übersicht der Vorteile für beide Seiten schafft Klarheit über die Vorzüge eines Aufhebungsvertrages gegenüber einer normalen Kündigung:

Vorteile für den Arbeitgeber

  • Der Kündigungsschutz entfällt, so können auch Arbeitnehmer entlassen werden, die sonst auf Grund gewisser Voraussetzungen nicht kündbar sind
  • Die Begründung der Kündigung wird nichtig und somit auch das vorstellig werden beim Betriebsrat
  • Kündigungsfristen müssen nicht beachtet werden

Vorteile für den Arbeitnehmer

  • Besonders wenn schon ein neues, attraktives Jobangebot vorliegt, kann durch die Einigung der Prozess beschleunigt werden, sodass Du schon bald in Deinem Traumjob anfangen könntest
  • Bei einem Aufhebungsvertrag kannst Du verhandeln, dass Du ein besonders gutes Arbeitszeugnis ausgestellt bekommst
  • Häufig bekommst Du auch eine angemessene Abfindung, da die Kündigung im Interesse des Unternehmens vollzogen wird

Jedoch solltest Du auch berücksichtigen, dass sich in diesem Fall auch Nachteile für Euch ergeben können:

  • Falls die ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten wird und eine Abfindung gezahlt wird, verfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld kurzfristig
  • Nach § 143a SGB III, Drittes Sozialgesetzbuch wird die Abfindung in diesem Fall mit dem Arbeitslosengeld verrechnet
  • Auf Grund der freiwilligen Beendigung des Arbeitsverhältnisses kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld für bis zu zwölf Wochen ausgesetzt werden

Was gehört in einem Aufhebungsvertrag

Bei dem Inhalt und der Formulierung des Aufhebungsvertrages bist Du sehr frei, solange die Einigung schriftlich dokumentiert wird.

In dem Vertrag können Regelungen zu:

  • Resturlaub,
  • Entlassungsdatum,
  • Entlassungsgrund,
  • Arbeitszeugnis (top bewertet),
  • Abfindungssumme und Auszahlungsdatum,
  • Stillschweigen über Geschäftsgeheimnisse,
  • ggf. Sonderregelungen etc. festgelegt werden.

Je nach Verhandlungsgeschick kannst Du hier für Dich sehr gute Konditionen aushandeln! Du solltest aber zu keinem Zeitpunkt vergessen, dass Du bei dieser Form der Kündigung keinen besonderen Schutz hast, der Euch im Falle einer normalen Kündigung durch das Unternehmen gewährt wird. Das bedeutet mit anderen Worten: Stellst Du zu hohe Ansprüche, kann der Arbeitnehmer seinen vorzeitigen Kündigungswunsch zurück ziehen und Euch auf dem normalen Weg kündigen – in diesem Fall erhältst Du gar nichts. Deswegen ist es ratsam, alle Punkte des Vertrages genau abzuwägen und schon vor den „Verhandlungen“ eine feste Position zu beziehen. Falls Du unsicher bist, was Du fordern könntest oder solltest, dann kannst Du auch einen Anwalt zur Beratung konsultieren.

Eine Abfindung ist ein freiwilliges Angebot des Arbeitgebers – Recht auf Abfindung besteht nicht

Abfindungshöhe berechnen

Zur Berechnung der Höhe der Abfindung lohnt es sich, verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Dies ist zum einen die Stärke des dem Arbeitnehmer zustehenden Kündigungsschutzes bei einer ordentlichen Kündigung sowie die Dringlichkeit mit der der Arbeitgeber die Kündigung erwirken möchte. Des Weiteren spielt die Liquidität des Unternehmens eine große Rolle und die Wahrscheinlichkeit mit der der Arbeitnehmer zeitnah eine neue Stelle finden kann. Die Höhe der Abfindung muss daher den Verlust des Arbeitsplatzes mit all seinen Folgen kompensieren. Dennoch gibt es eine Faustregel zur Berechnung der Abfindungshöhe:

Faustregel: Abfindung berechnen: Nehme die Hälfte Deines Monatsgehalts (Brutto) X Jahre (Betriebszugehörigkeit)

Beispiel: 2600 € Monatsgehalt / 2 = 1300 € X 6 Jahre Betriebszugehörigkeit = eine Gesamtsumme von 7800 € Brutto!

Folgen des Aufhebungsvertrages

Bedenke bei Deiner Verhandlung: Eine selbst initiierte Kündigung bewirkt eine Sperre beim Arbeitsamt fürs Arbeitslosengeld – bis zum gesetzlich vorgeschriebenen oder im Arbeitsvertrag vereinbarten Kündigungszeitpunkt. Zudem wird im Aufhebungsvertrag häufig eine Abgeltungsklausel festgehalten, die für alle weiteren Ansprüche gelten kann – Thema Resturlaub, Überstunden und Bonusgelder.

Abgeltungsklausel Definition: Mit der Abgeltungsklausel verzichtest Du und der Arbeitgeber auf jegliche (bekannte und unbekannte) Ansprüche aus dem Arbeitsverhätlnis

Oft wird auch vergessen, das Abfindungen versteuert werden müssen (Abfindung = Brutto).

Warum lohnt sich ein Aufhebungsvertrag?

Ein Aufhebungsvertrag lohnt sich vor allem, wenn Du bereits Aussichten auf einen neuen Job habt und diesen so schnell wie möglich beginnen möchtest, ohne lästige Kündigungsfristen abzuwarten oder Du bei einer ordentlichen Kündigung mit einer Sperrzeit konfrontiert seid. Außerdem entfällt durch den Vertrag die nervige Bürokratie, die durch die Restriktionen im Arbeitsvertrag entsteht. Im besten Fall erreichst Du eine Kompromisslösung, die beide Seiten gleichermaßen glücklich macht. So trennst Du Dich in einem positiven Ton von Eurem Arbeitgeber und wisst, dass Eure Entscheidung keinen faden Beigeschmack hat. Das hilft am Ende beiden Seiten und sorgt dadurch meist dafür, dass man sich in einem guten Verhältnis trennt und dadurch möglicherweise im späteren Arbeitsleben von Vorzügen profitiert.

Was ist ein Aufhebungsvertrag und worauf muss ich achten?

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