Anfängerblase

Wer mit Halbwissen hantiert, wird sich früher oder später in der „Anfängerblase“ wiederfinden – aber keine Angst, wir alle haben schon irgendwo mal eine Studie gelesen oder gehört, die wir anschließend (als Experte) der besten Freundin oder Freund mitteilen wollen.

Nur ein bisschen Lernen ist fatal

Gefährliches Halbwissen für Führungskräfte und Unternehmer

Wer Neues lernt ist sich seiner Position als Anfänger bewusst, doch schnell folgt eine Selbstüberschätzung, die mit Überheblichkeit einhergeht. Wir halten uns dann für Experten und wollen unser Wissen unter Beweis stellen, merken dabei aber nicht, wie wir in der sogenannten Anfängerblase stecken. Das gefährliche Halbwissen wird weiter herausposaunt. Trifft man auf fachkundige Widersacher, verläuft sich der vermeintliche Experte in Ausschweifungen und fehlerhaftem Theoretisieren von komplexen Aufgaben.

Anfängerblase

Neben den Soft-Skills oder den fachlichen Kompetenzen müssen Arbeitnehmer immer mehr Fähigkeiten und Wissen in kurzer Zeit aneignen. Wer sich dabei nur oberflächlich mit einer Sache beschäftigt, findet sich schnell in der Anfängerblase wieder. Dies belegen amerikanische Psychologen durch Studien. Sie beobachteten, dass mit steigerndem Wissen der Effekt der Anfängerblase zwar rapide ab nahm, die Probanden schätzten sich jedoch auch dann weiterhin zu positiv ein. Grund dafür ist der zu große Spalt zwischen Selbstbewertung und der tatsächlichen Fähigkeit.

In Hinblick auf das finanzielle Wissen konnten die Psychologen zudem beobachten, wie Erwachsene in jungen Jahren sich regelmäßig überschätzten. Im mittleren Alter flaute dies wieder ab, nahm im Alter jedoch wieder signifikant zu.

Ist weniger mehr?

Der Mensch strebt von Natur aus nach Perfektion. Er saugt Wissen förmlich auf und will immer höher hinaus. Diese Perfektion ist jedoch utopisch. Der Mensch kann niemals allwissend sein, dafür ist das Leben mit all seiner Information zu groß. Kein Wunder, dass wir unser Wissen unvollständig abspeichern, doch ist dieses Halbwissen schlimm? Ist nicht weniger mehr?

Karrierebibel schreibt darüber: „Halbwissen macht schneller und schlauer“, denn man wird schlagkräftiger, handelt oft aus dem Bauch heraus und verschafft einem großen Publikum Zugang zu einem komplexen Thema. Man denke da an Bauernregel oder Volksweisheiten, die nicht immer stimmen aber irgendwie auch was Wahres beinhalten.

Typisches Halbwissen

Ganz typisch für (gefährliches) Halbwissen sind die Mutter-Kind-Foren im Internet. Irgendwer hat mal irgendwo gelesen… Heute so, morgen so, und am Ende sind alle Rabenmütter wenn sie nicht sofort mit Wehwehchen zum Arzt rennen. Auf Seiten der Männer kommt einem der Fußball zuerst in den Sinn: „Das war im Leben kein Foul, der Schiri ist gekauft“. Es geht jedoch auch anders.

Halbwissen im Berufsleben

Kuriose Rechtsirrtümer
Kuriose Rechtsirrtümer

Vielleicht habt ihr das schon selbst erlebt: Der Kunde ist der Meinung, dass eine Planung nicht umsetzbar sei. So oder so ähnlich – Gründe zu dieser Annahme habe er sich aus dem Internet geholt oder von einem Bekannten „vom Fach“ erzählen lassen, was immer das auch heißen mag.

Anstelle nun auf die Barrikaden zu gehen und auf das Halbwissen hinzuweisen, man habe das schließlich studiert, ist eine Lösung im gemeinsamen Erarbeiten der Fakten hilfreicher. Am Ende möchte man den Kunden weiterhin behalten und da ist eine rechthaberische Attitüde eher hinderlich. Außerdem kann eine frische Recherche neue Informationen an den Tag bringen, der den eigenen Horizont erweitert. Das Zauber- und somit Lösungswort ist daher das „gemeinsam“.

Sollte sich ein Kunde dennoch mal nicht von seinem „Kriegspfad“ abbringen, so helfen die W-Fragen ungemein:

  • „In wiefern gefällt Ihnen das nicht?“
  • „Wie kommen Sie zu diesem Endschluss?“
  • „Womit vergleichen Sie die Preise?“
  • „Warum sind Sie unzufrieden?“

Oft kommt am Ende heraus, dass der Kunde nicht mit der Arbeit von dir unzufrieden ist, sondern schon im Vorfeld was schieflief, oder einfach was im Privatleben zu seiner Reaktion beigetragen hat. Halte dir vor Augen, die wurdest als Experte ausgesucht. Paare diese Information mit seriösem Vorgehen und einer Portion Offenheit für neue Wege.

Anfängerblase: Wenn das Halbwissen gefährlich wird

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